Was im Winter geschah...

Hiermit melde ich mich nach langer Zeit mal wieder zurück auf meiner Homepage! Viel Spaß beim lesen...

Roger Kluge

Hallo Fans,

Ja, ich lebe noch!! Dank anderer Medien habt ihr das eine oder anderen dennoch von mir mitbekommen. Aber ich habe ja die Homepage nicht, um sie "einstauben" zu lassen. Deswegen könnt ihr jetzt seit langem mal wieder ein paar Zeilen über mich lesen.

Ein kurzer Rückblick um die Lücke ein wenig zu schließen...

Die Saison 2014 war sicher meine Beste Saison in den letzten 5 Jahren als Profi! Nicht unbedingt von den Ergebnissen her, aber mit der Leistung die ich erbracht habe über das ganze Jahr, war ich und auch das Team sehr zufrieden. Eine zu Ende gefahrene Tour de France war sicher der Höhepunkt! Nach einer nur kurzen Saisonpause von 2 Wochen - da ich erstens im letzten Winter eine 2. sechswöchige Saisonpause durch meine Schulterverletzung hatte, und zweitens, weil ich dieses mal besser in Form sein wollte für die Sixday Nights in Zürich - fing ich im Oktober auch schon wieder mit dem Training an. Eine Woche nach Zürich folgte dann der Bahnweltcup in London. Beide Ereignisse schloss ich einigermaßen zufriedenstellend ab. Viel mehr war aber auch nach 5 Wochen Training nicht zu erwarten.

15972399556_f1ac9483c7.jpgNach London ging es direkt weiter in die Schweiz zum großen Teamtreffen inklusive der Teampräsentation. Es waren tolle 5 Tage, die ich nicht so schnell vergessen werde! Wir hatten die üblichen medizinischen Test auf dem Programm, wie auch jede Menge Meetings. Wir hatten aber auch Spaß beim Curling, beim Bergwandern und abends an der Bar ;-) Von Gstaad, wo das Treffen stand fand, ging es gleich weiter nach Mallorca in das Teamtrainingslager. Nach der intensiven Bahnphase mit Zürich und London, standen für mich erst mal wieder ruhigere und längere Ausfahrten an. Untergebracht waren wir im Robinson Club, welchen ich wirklich nur empfehlen kann!

5 Wochen Australien...

Nach nur 3 Nächten zu Hause, ging es dann für mich auch schon weiter nach Australien, genauer gesagt nach Geelong. Also noch vor Weihnachten! Da wir ja in die World Tour aufgestiegen sind - die 1. Liga des Radsports - waren wir nun verpflichtet schon bei der Tour Down Under (20.-25. Januar) in die Saison einzusteigen. Und ich war einer von 7 glücklichen, die in den Sommer fliegen durften. Das Team reiste erst zum 11. Januar an, aber ich entschied mich eben schon vor Weihnachten anzureisen, um sich wirklich ganz in Ruhe dem Wetter und der IMG_20150101_000418.jpgZeitverschiebung anpassen zu können. Desweiteren konnte ich nochmal ein kleines Trainingslager in Bright, in den Bergen nördlich von Melbourne, absolvieren und nahm auch schon bei den BayCrits Anfang Januar teil. So konnte ich schon ein paar Rennkilometer vor der Rundfahrt sammeln. Das alles hätte ich aber nicht gemacht, wenn meine Freundin Judith nicht einen Tag später hinterher geflogen wäre! Somit waren die ersten 2 Wochen von 5 ein Mix aus Trainingslager und Urlaub. Wir fuhren zum Beispiel die Great Ocean Road bis zu den 12 Aposteln und machten auch erste Erfahrungen mit dem Surfbrett. Und es werden nicht die letzten gewesen sein! :-) Silvester feierten wir in Melbourne. Nach den Kriterien, die in Geelong und Umgebung stattfanden, ging es für Judith dann wieder Heim. Die Arbeit rief...

Ich blieb noch bis zur australischen Meisterschaft am 11. Januar in Geelong. Dort gingen Heino und David Tanner an den Start und kämpften mit um den Sieg. Beide waren auch schon vor Weihnachten nach Australien geflogen, um sich eben gezielt auf die Meisterschaften vorzubereiten! Da ich selber nicht mitfahren durfte, half ich dieses Mal an anderer Stelle. So fuhr ich schon früh mit Tom nach Buninyong, wo die Meisterschaft stattfand, um den Camper und alles drum herum schon vorzubereiten. Während des Rennens stand ich dann mit in der Verflegungszone und reichte den Beiden Flaschen. Die letzten 4 Runden dann oben am Berg. Nachdem die Spitze, und wenige Meter später Heino, das letzte Mal an mir vorbeifuhren, sprang ich letztendlich ins Auto zu Tom und verfolgte das Finale von dort aus. Und es war mega spannend! Ich hatte wahrscheinlich ähnlich hohen Puls wie Heino, der sich in der Abfahrt wieder Stück für Stück der Spitze näherte, bis er schließlich 3-4km vor Ziel wieder dran war. Jetzt war die Chance wieder da! Wir mussten 300m vor Ziel die Rennstrecke verlassen, hielten aber kurz und schauten der sprintenden Gruppe hinterher. Schließlich war es Heino, der die Arme in die Luft riss!! Tom ist völlig ausgerastet, und auch ich habe mich riesig für ihn gefreut. Was für ein Einstieg für Heino in die neue Saison. Die Arbeit im Winter und die frühe Anreise nach Australien zahlten sich also aus!!

IMG-20150117-WA040-1.jpgAbends ging es für uns dann direkt nach Adelaide. Den Tag darauf kam auch das restliche Team an. So konnten wir nochmal alle zusammen beim Dinner auf Heino sein Titel anstoßen. Danach folgten 5 Tage mit seriösem Training, wo wir uns fast alle Etappenziele der Tour Down Under anschauten. 2 Tage vor der Tour fand noch das People's Choice Classic Criterium statt. Eine Stunde Radrennen auf einem verdammt schnellen Rundkurs. Zeitgleich der erste Test, wie wir - gerade mit unseren neuen Teamkollegen, Jarlinson, David und Stef - als Team zusammen harmonierten. Es war noch nicht das perfekte Finale, aber es waren gute Ansätze zu sehen! Marcel Kittel gewinnt und Heinrich wird schließlich Fünfter. Das machte uns Mut für die Rundfahrt. Unser Ziel war ein Etappensieg und am Ende einen Platz unter den besten 10. Wir waren auf den Etappen immer präsent und zeigten auch meistens ein starkes Finale, egal ob für Heino oder für unseren Kolumbianer Jarlinson, der auf Gesamtwertung fuhr. Leider reichte es am Ende nur für einen 2. Platz für Heinrich auf der letzten Etappe als bestes Ergebnis. Aber Jarlinson landete am Ende auf einen sehr guten 9. Platz nach 6 schweren Etappen. Er hat uns echt positiv überrascht, auf allen Etappen in jeglichen Situationen. Das er bergauf gut sein würde, das hofften wir oder erwarteten wir auch, aber er war eben auch sehr stark auf der Flachen und somit auch ein wichtiger Fahrer für die Sprints.

Noch kurz was zu meiner Person... Ich fühlte mich nach wie vor auch sehr gut, und erfüllte in jedem Finale einen guten Job. Und hatten auch einen riesen Schutzengel mit mir, wie ihr sicherlich mittlerweile schon im Internet gesehen habt. Auf der 4. Etappe konnte ich in dem High-Speed-Finale nur knapp einem Massensturz entgehen. Mein Leadout - meistens die letzte Führung im finalen Kilometer - beendete ich ca. 300m vor dem Ziel mit einer Maximalgeschwindigkeit von 82km/h!! Als ich langsam zurück fiel, passierte links der Sturz, und ich sah quasi in Zeitlupe die Räder durch die Luft auf mich zufliegen. Ich war schon rechts an der Bande, aber musste wirklich jeden Zentimeter Straße, der mir noch blieb, ausnutzen. Ich hatte echt Glück, dass sich die abgebrochene Gabel von dem neben mir stürzenden Katusha-Fahrer, nicht in mein Vorderrad bohrte. Sonst hätte ich auch einen ordentlichen Salto gemacht!! Selbes Glück hatte der Kameramann hinter mir. Jeremy Roy von FDJ filmte das Finale, mit einer am Vorbau montierten Kamera. Von denen gibt es nach und nach, mehr und mehr im Peloton. So könnt ihr auch hautnah dabei sein, wenn auch noch nicht live. Aber das wird sicher auch noch kommen! Leider hatte ich nach der 3. Etappe auch wieder leichte Sitzbeschwerden, wie auch schon in der Tour letztes Jahr. Ich hoffe ich werde in den nächsten Wochen einen Sattel finden, wo ich die Probleme nicht mehr bekomme. Die Rundfahrt beendet habe ich dann mit einem fast perfekten Leadout für Heino. Ich konnte bis 150m vor Ziel den Sprint anziehen, leider war am Ende einfach ein Andere stärker und schneller.

Wir waren dennoch alle happy nach der Tour! Es war echt eine tolle Atmosphäre die ganze Woche, wir waren ein richtiges Team. Das war letztes Jahr nicht immer so. Natürlich haben wir es dann auch mal ein wenig lockerer angehen lassen bei der After-Race-Party, und das eine oder andere Bier getrunken ;-) Am Montag trennten sich dann unsere Wege. Die Mannschaft flog wieder zurück nach Melbourne und bestritt noch eine Woche später das Cadel Evans Race. Ich flog nach 5 Wochen in Australien endlich wieder zurück nach Hause. So konnte ich mir dann auch noch am Dienstag das Große Finale beim Sechstagerennen im Berliner Velodrom anschauen. Zuschauer bei den Profis war ich ja schon Jahre nicht mehr gewesen... Aber ich wäre dann doch lieber wieder Teilnehmer in Zukunft!