Tagebuch Etappen 14-16

Drei schwere Bergetappen liegen hinter mir. Noch eine Etappe und dann kommt der zweite Ruhetag. Den brauche ich auch wirklich. Denn in der Ferne sehen ich schon die nächsten Berge..

Roger Kluge

19.7.14  Etappe 14  Grenoble -Risoul  177km

Guten Morgen liebe Leser! Gestern war es mal spät geworden und kaputt war ich natürlich auch, nach über 6 Stunden auf dem Rad und mit knappen 4000 Höhenmetern! Es war gar nicht so weit ins Hotel von den Kilometern her, aber wir sind nur im Schneckentempo vorangekommen. Erst mussten wir den Schlussanstieg wieder runter, von 1800m auf ca. 1000m, und dann wieder auf 1500m hoch zu unserem Hotel. Mit Bus dauert es dann immer länger. Aber nun zur Etappe. Sie fing mal wieder sehr sportlich an! Auf den ersten 3-4 km galt es gleich mal gut 200 Hm zu überwinden. Das hat es für mich mal wieder sehr anstrengend gemacht, wenn die Bergflöhe oder die Mittelgewichtigen attackieren und in die Gruppe wollen. Ich konnte mich aber gerade so am Schwanz des Feldes noch festbeißen. Nach einem kleinen Gefälle musste ich dann feststellen, dass es vorne im Feld gerissen ist und sich kurzzeitig mehr als 30 Mann gelöst hatten und schon um die 20 Sekunden Vorsprung hatten. Nach etwa weiteren 10 km waren wir dann wieder vorne dran, bzw. haben sich von vorne, unter anderem Nibali im gelben Trikot, zurückfallen lassen. Übrig blieben 17 Fahrer, die die Gruppe des Tages bildeten und sich einen maximalen Vorsprung von 4-5 Minuten rausfahren konnten. Im Feld übernahm dann Astana die Kontrolle. Erfreulicherweise in einen noch angenehmen Tempo, sodass der Rest des Feldes geschlossen über den 34 km Anstieg hinauf zum Col du Lautaret gefahren ist. 30 km später folgte die Verpflegungszone in Briancon. Da haben am Straßenrand zwei Freunde aus Berlin auf mich gewartet und mich angefeuert. =) Danach ging es sofort in den Anstieg hoch zum Col d'Izoard, dem Dach der Tour mit 2360 m. Die ersten 5 km circa konnte ich noch mithalten, musste dann aber mit einem Wink in die Kamera das Feld ziehen lassen, und fuhr die restlichen 14 km in meinem Tempo den Berg hinauf. Nach der Abfahrt und mit noch 20 km zu fahren, holte mich dann das Gruppetto ein, und ich fuhr mit ca. 30 anderen Fahrer den letzten Anstieg des Tages hinauf zum Ziel. Heute früh wurden wir von einem ordentlichen Gewitter geweckt, aber ich hoffe, dass die Etappe dennoch größten Teils trocken sein wird! Wie es war, werdet ihr heute Abend lesen können. Es wird zwar wieder spät, da wir einen 125 km Transfer zum nächsten Hotel haben, aber der Tag darauf ist ja dann der 2. Ruhetag. :-) 

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20.7.14   Etappe 15 Tallard - Nimes 222 km

So spät war es gestern doch nicht. Wir waren 20 Uhr im Hotel. Aber zwischen Massage, Essen und ins Bett gehen war dann doch keine halbe Stunde mehr, um noch einen Bericht zu schreiben. So lange brauche ich meistens immer. Wir ihr sicher gesehen habt, war es eine mega spannende Etappe, wo wir immer gut im Bilde waren. Martin floh bei Kilometer Null und es konnte ihm nur einer folgen. Im Feld übernahmen die Sprinterteams die Kontrolle und wir konnten erst mal mitrollen. Ich allerdings nicht ganz so, wie ich gehofft hatte, um die Beine ein wenig lockerer zu fahren nach den Bergetappen. Ich hatte nämlich mit Sitzproblemen zu kämpfen, und musste quasi alle 1-2 Minuten aus dem Sattel gehen. Das ist natürlich alles andere als entspannt für die Beinmuskulatur. Und auch allgemein habe ich mich einfach dadurch nicht wohl gefühlt. Zwei Stunde habe ich mir das angetan, dann bin ich letztendlich doch zum Renn-Arzt gegangen und habe um Rat gefragt. Er gab mir ein Creme, die mein Sitzbereich ein wenig betäubte. Danach war es  um ein Vielfaches besser! Nach Halbzeit der Etappe wurde es wieder schneller und nervöser im Feld, da wir in ein sehr stürmisches Gebiet gekommen sind und jeder im Feld eine Windkante fürchtet. Es wurde verdammt schnell gefahren, aber am Ende passierte doch nix, außer das hinten ein paar Fahrer den Anschluss verloren hatten. Kaum wurde es wieder etwas ruhiger, fing es langsam an zu regnen. Dadurch wollte natürlich wieder jeder vorne fahren, um eventuellen Stürzen zu entgehen. Es hat richtig geschüttet! Das Wasser stand teilweise bis zu 5 cm auf der Straße und man hat kaum noch etwas gesehen. Das war echt gefährlich. Aber wir sind alle Profis und so blieb doch jeder auf dem Rad, soweit ich weiß. Es hörte zwar wieder auf zu regnen, aber bis zum Ziel waren die Straßen immer noch feucht und rutschig. Dieses Mal hat es erstmalig gut geklappt, dass Reto und ich für Heino rechtzeitig da waren und ihn immer in vorderer Position halten konnte. Denn mit all den Kreisverkehren auf den letzten 10 km, war das extrem wichtig. Durch den Ziehharmonika-Effekt muss man hinten immer schneller fahren als vorne, was natürlich eine Menge Kraft kostet, wenn man nach den Kreiseln beschleunigen muss, um Postionen gutzumachen. Reto war bis ca. 5 km vor dem Ziel noch bei uns und ich konnte Heino bei 2 km zu fahren in den Top10  an Sagans Hinterrad abliefern. Den Rest musste er dann leider alleine machen. Aber das tat er ausgezeichnet und wurde schließlich hinter Etappensieger Kristoff sehr guter Zweiter. Allerdings lag das Spitzenduo bis 400 m vor Ziel auch noch auf Siegeskurs. Martin ist wieder mega stark gefahren. Er attackierte seinen Wegbegleiter auf den letzten 500 m, aber er konnte mit 200 m zu fahren noch einmal kontern. 50 m vor dem Ziel wurde er dann von der heranrasenden Meute abgefangen. Das war sehr bitter für Beide. 221 km auf der Flucht und am Ende fehlen ein paar Meter, ein paar Sekunden. Alles in allem war das aber ein großartiger Tag!

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22.7.14   Etappe 16 Carcassonne - Bagneres-de-Luchon 237 km

Guten Morgen Liebe Leser! Es war zwar gestern die längste Etappe, aber so viel mehr gibt es deswegen gar nicht zu schreiben. Vorne weg, ich hatte es nicht geplant in die Gruppe zugehen! Es hat wie erwartet lange gedauert, bis sie stand, aber wir wollten eigentlich mit Martin, Chava, Seb, Jèrome oder Marcel drin vertreten sein, eben wegen dem letzten großen Berg. Ich habe quasi immer nur wieder versucht Tempo ins Feld reinzubringen, da 5 Mann schon mit 30s enteilt waren. So das die anderen im günstigen Fall hinspringen können. Aber auf einmal tat sich hinter mir eine Lücke auf und ich fuhr mit 3 Anderen vor zu den mittlerweile 8 Leuten. Somit waren wir dann 12 in Spitze, harmonierten gut und hatten schnell knappe 2 Minuten Vorsprung. Da Garmin die Gruppe verpasst hatte, machten die aber hinten Tempo und kamen bis 20-30 Sekunden heran. Dann sprangen noch mal 9 Fahrer weg vom Feld und schlossen zu uns auf. Nun waren wir 21 Mann, eine riesen Gruppe. Danach war Ruhe im Feld und sie ließen uns fahren, fast bis zu 13 Minuten vorne weg. Da war klar, dass der Sieger aus unserer Gruppe kommen wird. Aber es war auch klar, dass ich es nicht sein werde! Der letzte Berg war einfach nix für den schwersten aus der Gruppe ;) aber ich hatte mir ein anderes Ziel gesetzt und wollte wenigstens die Sprintwertung gewinnen. Das tat ich auch und wertete unsere Teamkasse um 1500 € auf, immerhin! Sobald wir in den letzten Berg rein sind und das Tempo erhöht wurde, musste ich auch sofort reißen lassen. Ich fuhr in meinem Rhythmus hoch und wurde günstigerweise kurz vor der Bergwertung von den Klassmentfahrern um Nibali eingeholt. Ich versuchte kurz bei Valverde am Rad mitzufahren, konnte aber nur 50m mithalten. Kurz nach der Kuppe überholte mich dann Leo König von Netapp. Wir fuhren die Abfahrt zusammen runter und ich half ihm zu der Gruppe um Nibali, Pinot und Valverde wieder aufzuschließen. Ein kleiner Freundschaftsdienst und meine Art mich noch einmal für das Jahr bei Netapp-Endura zu bedanken. Zudem packte mich das Race-Feeling und ich hatte Spaß dabei! Ich hätte natürlich auch nur runter rollen können die Abfahrt, aber das wäre ja langweilig gewesen. Es war eine Interessante Erfahrung! Im Nachhinein hätte ich so etwas lieber für Mathias Frank getan, aber der muss ja leider von zu Hause zuschauen. Dann kann es auch schon mal geplant sein, dass ich in die Gruppe gehe, um eben genau für diesen Fall da zu sein, nur mal als Beispiel. Es war zwar der bis dahin längste Tag für mich, aber ich habe mich gut gefühlt nach dem Rennen, wie auch schon vor dem Rennen. Der Ruhetag hat mir richtig geholfen, und die Erkältung scheint nun auch weg zu sein. Jetzt muss ich nur noch die zwei nächsten Bergetappen überstehen, und dann ist Paris schon zum Greifen nahe! 

 

Geschrieben von Kluge, Brigitte am
Hallo Roger, Dein Tagebuch habe ich immer verfolgt, Ist ja irre. Ich bin ganz begeistert, wie schön Du das gemacht hast. Nun weß man ganz genau, wie es Dir in den einzelnen Etappen ergangen ist. Danke dafür. Komm gut und heil in Paris an.OG
Geschrieben von Oksanabof am
czego nie wolno jesc przy dnie moczanowej dna moczanowa leczenie cytryna http://seeknet.pl/ dna moczanowa ziola dna moczanowa diety
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