Highlights 2016 - Olympia

Die Olympischen Spiele waren im Jahr 2016 für viele Sportler DAS Highlight! Auch für mich war es das, nur leider nicht mit dem Ergebnis, welches ich mir erhofft hatte. Stress, Aufregung, Hoffnung und Enttäuschung, alles war dabei. Doch lest selbst....

Roger Kluge

Highlights 2016

Olympische Spiele in Rio - meine Einschätzung

 

Der Spagat zwischen Bahn und Straße verlangt einem immer viel ab. Aber das Jahr vor den Olympischen Spielen war mehr als hart. Neben meinem Straßentraining und dem üblichen Wettkampfkalender, der Familie und dem Reisen, kamen jetzt noch extra Bahneinheiten dazu, Therapiestunden und  Personal Training. Es gab keine Freizeit mehr, kein Urlaub, nichts.

Aber das Ziel, erneut eine Olympiamedaille zu gewinnen, ist die beste Motivation. Die gesamte Saison hieß es für mich 100 Prozent Straße und 100 Prozent Bahn. Mit dem Abflug nach Rio lag mein Fokus komplett auf der Vorbereitung für die zwei wichtigsten Tage des Jahres.

Ich entschied mich mit den Vierer-Jungs schon zeitig anzureisen und war somit schon 2,5 Wochen vor meinem Wettkampf dort. Aufgrund des Klimas und der Zeitverschiebung wäre es gar nicht  nötig gewesen, aber es bestand immer eine minimale Chance in einem der drei Viererläufe zu starten. Des Weiteren wollte ich einfach die Bahn kennenlernen, weil wir vorher keinen Testwettkampf hatten, wie in Peking oder London. Nach ein paar Eingewöhnungstagen und diversen Versuchen, wie man am schnellsten zur Bahn kommt, hatte ich dann auch meinen Rhythmus gefunden. Das Training verlief vielversprechend und wir konnten auch alles umsetzen wie geplant. An meinem letzten freien Tag traf ich mich mit meiner Freundin und ihrer Mama im Deutschen Haus auf ein Kaffee. Die letzte Ruhe vor dem Sturm! Ich war bereit!

Das Omnium fing dann auch sehr gut an. Okay, ich habe das Scratch-Rennen nicht gewonnen, aber ich konnte mit Lasse ein Runde rausfahren und beendet es schließlich auf Platz 2. Die Beine waren sehr gut gewesen und dementsprechend war ich guter Dinge, bei der Einerverfolgung eine neue persönlichere Bestzeit zu erreichen. Ich lag von Anfang an auf der Pace und mit der Angst im Nacken, das Lasse mich einholen würde, puschte ich mich selber zu einer fantastischen Zeit von 4:18,907 min. Das war noch ein wenig schneller, als ich wirklich erwartet hatte. Leider war der Zeitplan so knapp bemessen, das Lasse und ich nur ca. 25 Minuten Zeit hatten, um uns von unserem Lauf zu erholen. Ein Lauf dauert so um die 6 Minuten. Und eben diese 6 bzw. 12 und mehr Minuten machen nach 4km Vollgas einen riesen Unterschied. Wir gingen also beide noch mit Restlaktat in das Ausscheidungsfahren, was dazu führte, dass er sogar als erstes ausschied und ich mich immerhin noch weitere 12 Runden im Rennen halten konnte. Das bedeutete aber auch nur Platz 12 für mich, was natürlich nicht das war, was ich mir erhofft hatte. Mit den Beinen an dem Tag wäre mit einer gerechten Pause für alle sicher auch eine Top 5 Platzierung drin gewesen. Und so ging ich ziemlich angeschlagen, mental wie muskulär, mit keinem guten Gefühl ins Bett. Ich lag zwar noch auf Platz 4, aber wusste dann schon, dass eine Medaille jetzt nur noch ganz schwer zu erreichen sein würde.

Der zweite Tag begann nämlich mit meinen zwei Schwachstellen des Mehrkampfes. Zudem hatte ich gleich gefühlt, dass ich nicht mehr die Superbeine vom Vortag hatte. Über die 1000m gelang mir immer noch eine gute Zeit, aber keine persönliche Bestzeit mehr. Sie reichte lediglich noch für Platz 9, wodurch ich auf Platz 6 zurückfiel. Über die fliegende Runde reichte es wiederum zu einer PB, dennoch nur zu Platz 11, und ich fiel sogar noch auf Platz 8 zurück. Das Podium war zwar „nur“ 18 Punkte weg, was nach dem WM Rennen in London machbar erschien, aber diese hätte ich auf Lasse aufholen müssen, der aber mit der gleichen Taktik unterwegs war. Cav und Elia waren dagegen noch weiter weg. Meine Beine sind über den Tag auch nicht mehr besser geworden, aber ich versuchte es natürlich und gab alles was ich noch hatte. Schließlich gelang mir irgendwann ein langer und schwerer Solo-Rundengewinn, allerdings kurz nach dem Lasse auch alleine rumgefahren war. Das hätten wir auch leichter haben können… Wenig später attackierte ich wieder und hatte auch schnell eine halbe runde Vorsprung, aber andere zogen hinterher und kurz darauf war ich wieder im Feld. Einen letzten Versuch startete ich kurz vor Schluss. Ich kam wieder weg, dieses Mal auch in Begleitung von Fernando und Thomas, aber wir haben es nicht mehr ganz geschafft. Und letztendlich hätte es an meinem Ergebnis mit den beiden auch nix mehr geändert.

Somit stand am Ende meiner dritten Olympischen Spiele Platz 6 für mich auf dem Papier. Immer noch ein gutes Resultat, und mit den zwei persönlichen Bestzeiten, dem super Scratch-Auftakt und dem hart umkämpften Punktefahren am Ende, bin ich auch sehr zufrieden mit meiner Leistung. Nur schade, dass am Ende eine Pause meine Chancen auf die Medaillen verbaut hat und nicht die Rennen an sich. Da bleibt mir nur eins zu sagen… Tokio 2020! ;-)